Der moderne Mensch
Selbst für Leistungssportler, die sogar des Sports wegen teilweise nur Halbtags arbeiten, sind die Arbeitstätigkeiten zu lange einseitig. Zwar benötigt z.B. ein Möbelpacker Kraft und schwitzt, doch nimmt er letztlich von seinen Bewegungsmöglichkeiten nur wenige in Anspruch. Überwiegend geht es aber um Menschen, die sitzende Tätigkeiten ausführen, denn sie stellen die absolute Mehrheit dar.
Wenden wir uns unserem modernen Menschen zu, der den größten Teil seiner 24 Stunden sitzt oder liegt. Zusätzlich zur Muskelatrophie, hervorgerufen durch diese Situation, kommt es mit der Zeit durch die Untätigkeit zu einer Kollabierung (Verklebung) der Kapillargefäße. Durch mangelnde Bewegung und entsprechender Ernährung erhöht sich meist der Blutdruck als Zeichen dafür, daß der Körper bestrebt ist, alle Gewebe optimal zu versorgen. Andererseits verliert das Knochengerüst durch die Muskelatrophie an Stabilität und Führung. Der Körper reagiert also auch hier funktionell durch Muskelverkürzung und Einschränkung der Bewegungsamplituden.
Man stelle sich vor, welche Arbeitswinkel der Körper in einer sitzenden Position einnimmt. Bei einer korrekten Sitzhaltung d.h. Fuß und Unterschenkel, Unterschenkel und Oberschenkel, Oberschenkel und Rumpf jeweils im 90o Winkel angeordnet, haben sich alle Muskeln, die dazu da sind, diese 90o Winkel zu verringern, in Ihrer ursprünglichen Länge verkürzt und zusätzlich abgeschwächt. Auf der anderen Seite sind durch diese sitzende Position die Muskeln, die uns in derselben Position ohne Stuhl halten würden, abgeschwächt und kämpfen gegen ihre Antagonisten (Gegenspieler), die noch stärker verkürzt sind. Bei oberflächlicher Betrachtung dieser Situation kommen wir zu folgender Definition:
Der Mensch ist in seinen eigenen Muskeln gefangen und dadurch geschwächt. Wie ein Raubtier in einem Fangnetz.
Die Kraft, die der Mensch verschwendet, um durch Unwissen seine Dehnfähigkeit wiederzuerlangen, könnte besser dazu genutzt werden, einen Teil der atrophierten Muskulatur zu stärken. Physiologisch gesehen ist eine Kräftigung schneller zu erreichen als die Dehnung.
Reihenfolge der Übungen
Aufgrund therapeutischer und statistischer Daten ist es notwendig, bei der funktionellen Gymnastik eine genaue Abfolge der Übungen einzuhalten. Körperareale, bei denen schwerwiegende Schäden und kostspielige Therapien im Vordergrund stehen, müssen dabei mit absolutem Vorrang behandelt werden.
Symptomatisch gesehen ist der Bereich Schultergurt teilweise häufiger und schmerzhafter als der Lendenwirbel-bereich betroffen. Allerdings muß man hier zwischen muskulären Verspannungsschmerzen, Nervenkompression und Haltungsschäden unterscheiden. Es sollte uns klar sein, daß zwar dem Schmerz nach keine erheblichen Unter-schiede bestehen, aber bei Entlastung im Lendenwirbel-bereich eine Linderung erreichbar ist, diese jedoch nicht für den Schultergurtbereich zutrifft.
Im Hinblick auf die verursachten Kosten und gesundheitlichen Schäden ist die Lendenwirbelsäule der absolute Spitzenreiter. Wir können erkennen, daß die beweglichsten Teile der Wirbelsäule ( Hals- und Lendenwirbelsäule) am häufigsten von Anomalien betroffen werden. Die Beweglichkeit wiederum ist funktionell bedingt in Abhängigkeit von Muskelgruppen, die mit den Extremitäten verbunden sind.
Die Progressive Gymnastik nach Materia (Rund um fit bzw. Rücken-Aktiv-Kurs) hat folgende Eigenschaften :
1. sie ist unabhängig von Alter und Geschlecht
2. durchführbar vom Normalbürger bis hin zum Hochleistungssportler
3. die Zielorientierung ist Einschränkungen im Bewegungsapparat aufzuheben, Schäden zu vermeiden und Schmerzen zu lindern bzw. aufzuheben. Durch Dehntechniken wird die Entspannungsfähigkeit der Muskulatur verbessert, die Kompression auf das Kapillarnetz läßt nach. Rückenmuskeln und Muskeln der Wirbelsäule werden spezifisch angesprochen, so daß es zu einer deutlichen Haltungsverbesserung kommt.
4. Der Aufbau der Gymnastik ist progressiv, es erfolgt eine Abstufung von leichten zu schweren Übungen. Somit haben dann die späteren Kursteilnehmer die Möglichkeit, Übungssteigerungen vom Leichten zum Schweren nur bei korrekter Übungsausführung durchzuführen
Verhalten der Teilnehmer:
1. Kursteilnehmer müssen 10 min. vor Beginn der Gymnastik anwesend sein. Diese Zeit ist notwendig, um die nötige Abschaltung vom Alltag zu erreichen ( bessere Konzentration, bessere Dehnfähigkeit)
2. Aus hygienischen Gründen müssen die Teilnehmer eine eigene Gymnastikmatte haben.
3. Die Gymnastik ist barfuß durchzuführen
4. Die Krönung der Gymnastik ist der Abschluß. Hier stehen Entspannungs – und Atemtechniken im Vordergrund
5. Das mitbringen von Verwandten, Bekannten oder Freunden ist ohne Probleme möglich. Jedoch sollte der Gast dieses Informationsblatt kennen. Terminvereinbarungen können mit dem Kursleiter abgesprochen werden.
Verletzungen / Problembereiche
Übungsteile der PGM - Gymnastik sollten möglichst schmerzfrei durchgeführt werden. Bei Problemen in einem Verletzungsbereich bitte den Übungsteil weglassen und alternativ Übungen ausführen. Selbstverständlich sollten Sie den Kursleiter vor oder nach der Gymnastik über Ihre Problembereiche informieren .